Begegnungen

Leute gibt es die gibt es nicht...

ChimpanzeeChimpanzee | photo: Frank Fox (cc-by-sa)

Es kommen einem ja reihenweise Leute unter auf so einem Trip, und irgendwie ist das witzig, auch wenn manche Begegnungen schon ausgesprochen eigenartig sind. Fangen wir einfach gestern an in der Früh.
Sitze ich also unten in der Lobby mit dem Internet und schreibe an einem Artikel, setzt sich ein Bursche zu mir und fragt, ob ich Russisch kann. Sag ich nö, ich kann viel aber kein Russisch. Ok, dann reden wir halt Englisch, und zwar die Sorte Englisch, wo ich sieben mal nachfragen darf, was er jetzt denn nochmal meint. Stellt sich heraus, er ist ein russischer DJ, der in China von Club zu Club zieht und arbeitet. Wenn er nicht grad im Hostel sitzt und Bier in sich reinkippt am Vormittag. Ja, schön, blabla Smalltalk blabla, ich arbeite wie man vielleicht erkennen kann grad konzentriert an einem Artikel, danke.

Wo kommst denn her?
Ja Österreich.
Ah, Australien.
Nein Österreich.
Hm?
Mozart, Apfelstrudel, Mafia.
Aah, Österreich!
Genau, darf ich weiterschreiben? Danke.

Welche Musik hört man denn in Österreich?
Blackmetal.
Wie, nur Blackmetal?
Genau, nur Blackmetal, darf ich? Danke.

Gibts es keine Clubs in Österreich?
Schon, Blackmetal Clubs.
Wie Blackmetal Clubs?
Ja Blackmetal Clubs halt.
Aha.

Genau.
Ich steh auf und geh rauf in mein Zimmer, sonst wird der Text nie fertig und ich muss noch einen chinesischen Aufsatz schreiben... Nachmittags kaufe ich mir meine heiß ersehnte Durian (die übrigens im Carrefour, das ist sowas wie ein Interspar oder sowas) mehr gekostet hat als bei uns daheim im indonesischen Laden.

Ich habe mich übrigens zuhause dann mit der Besitzerin meines chinesischen Supermarktes unterhalten, und sie meinte das liegt an den Import und Export Vergünstigungen bzw. Erschwernissen. Ich meine wie krass ist das, dass etwas ein paar Kilometer neben der Plantage mehr kostet als einmal um die halbe Weltkugel? Aber offenbar werden die meisten Durians sowieso aus Thailand importiert. Dort, sowie auch hierzulande.

Ich bin ja ein braver Gauner und esse meine Stinkfrucht im Freien draussen am Holzbohlentisch. Denn Durian in der Lobby zu futtern ist doch eher unhöflich und im Zimmer esse ich grundsätzlich nicht wegen der Schaben. Ich hatte zwar seit dem einen Vorfall damals keinen Schabenbesuch mehr, aber man muss es ja nicht provozieren. Jedenfalls sitzt da ein Mädel und schaut mich mit riesigen Augen an, wie ich meine Durian tranchiere. Denn wir befinden uns in der Provinz, wo die Durian quasi die lokale Spezialität ist, aber nicht mal die Guangdonger mögen alle dieses Obst. Und sie hat noch nie einen Europäer gesehen, der zum Nachtmahl wie selbstverständlich eine Durian verspachtelt.

Was sich bald bestätigt, denn ein Bursch setzt sich zu uns und schüttelt sich, als er die Frucht erblickt. Bald quasseln wir zu Dritt über die krusesten Themen. Primär die Unterschiede zwischen China und Europa, japanischen Humor, essbare Insekten und Käse. Stellt sich nämlich heraus, beide kommen gerade aus Europa zurück. Sie hat zwei Jahre in Paris studiert, er zwei Jahre in London. Jetzt touren sie noch kurz durch ihr China, bevor der Ernst des Lebens beginnt.

Ja, das war mal nett und am nächsten Tag hat auch der Dj sein Match gefunden, denn das russische Pärchen (wo er immer so falsch singt), sind immer noch da. Viel Spaß.

So, und heute ist Samstag, ich frag mich immer noch ob ich ins Zentrum fahren und mir ein Bierchen genehmigen soll oder nicht. Wie auch immer, vorhin ruft jemand an und legt auf. Denk ich mir ok, falsch verbunden. Dreh ich mich um, läutets wieder. Heb ich ab, sag ich Hallo. Ist eine Frauenstimme dran und labert mich auf Chinesisch zu. Sag ich nö, ich versteh kein Wort, bitte red Englisch mit mir. Ja wie, was laberlaber. Sag ich (auf Chinesisch), ich kann kein Zhongwen (also Chinesisch), nur Ingwen (also Englisch), sagt sie nix Ingwen, Zhongwen Zhongwen! Sag ich nix Zhongwen, Ingwen, Ingwen!

Keine Chance, die kann kein Ingwen und ich noch zu wenig Zhongwen, aber hätte sie langsamer gesprochen, hätt ich vielleicht sogar ein bissel was verstanden. Nur genau wie bei uns auch gewisse Leute, wenn sie merken das Gegenüber versteht nix, reden sie lauter statt langsamer. Naja sag ich tut mir Leid, aber ich hab keine Zeit, BaiBai.

Ja sagt sie BaiBai und ruft geschlagene 3 Minuten später wieder an. Sag ich entweder du redest jetzt Ingwen oder ich leg auf. Sagt sie nix Ingwen, Zhongwen, Zhongwen. Sag ich BaiBai, pfiatdi und tschüsselchen.
Klingelts wieder, klick ichs weg.
Krieg ich eine Sms. Denk ich mir spitze, die kann ich wenigstens durch den Übersetzer jagen. Ja, also blöd war sie nicht, die Idee hatte sie also auch schon. Steht da, sie will sich bei meiner Firma bewerben.
Ähm. Aha.

Ja selbst wenn ich noch die Firma hätte und geschäftlich hier wäre und Leute einstellen würde, dann wohl kaum welche, mit denen ich mich nicht mal halbwegs unterhalten kann, oder?
Klingelts wieder, klick ichs weg.
Klingelts wieder, klick ichs weg.
Dann war auch meine Antwort fertig: Danke, aber momentan stellen wir keine Leute ein. Die Frage ist nur, wie die an meine Nummer kommt, ich meine die Nummer ist fast unbekannt, die haben vielleicht drei Chinesen und nicht mal die haben einen Kontrabass.

Ich warte noch ein Bissel in der Lobby, denn wenn sie wieder anruft möge ihr doch bitte jemand übersetzen, dass ich sie nur einstelle, wenn sie Artikel recherchieren und in einwandfreiem Deutsch zu Datei bringen kann... Aber sie hat meine Sms durch den Übersetzer gejagt und es gerallt.

Auf meinem Weg zum Abendessen treffe ich noch einen Spanier, der mit Sack und Pack zum Bambuswald will. Ich zeige ihm wie er dort hinkommt und wir haben entlang des Weges einen Heidenspaß. Jetzt werd ich noch kurz in die heute ziemlich überfüllte Lobby runterwabbeln zum Internet und diesen Text raufladen und dann düse ich noch in die Stadt. Aber net zu lange, denn morgen gibts viel zu tun.

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