Rot in Geschichte und Mythologie

Rot ist die älteste und prominenteste Farbe der Menschheit und für viele von uns hat sie den stärksten Charakter.

Red FireRed Fire | photo: Frank Fox (cc-by-sa)

Steinzeit

Die Geschichte der Farbe Rot beginnt, zumindest für uns nachvollziehbar, bereits in der Steinzeit. Angeblich war Rot die erste Farbe, die der Mensch wahrnehmen konnte. Bei Jägern und Sammlern war es die bedeutendste Farbe. Durch die lebenserhaltenden Eigenschaften, die der Farbe zugeschrieben wurden, wurde roter Ocker häufig als Grabbeigabe in steinzeitlichen Begräbnisriten verwendet. Bis zu zehn Kilogramm, zu feinem Pulver zermahlenem Ocker wurden in solchen Grabstätten entdeckt.

Die Farbe Rot galt im Allgemeinen als die Farbe von Blut und Feuer.
Krieg, Zorn und Hass, das Blutvergießen ist rot, weshalb die Farbe auch den antiken Kriegsgöttern Ares und Phoebus zugeordnet wurden. Ebenso wie dem römischen Kriegsgott Mars. Diesen negativen Eigenschaften gegenüber stehen sehr angenehme Aspekte wie Liebe, Sexualität, Leidenschaft und Lust. Im Altertum war die Farbe Rot im Gegensatz dazu dem weiblichen Prinzip, der Erde und Muttergottheit zugeordnet. Die Macht, Leben zu erhalten, wurde dem roten Ocker zugeschrieben, der in Ritualen verwendet und aus der Erde gewonnen wurde. Roter Ocker symbolisierte in dem Zusammenhang oftmals Fruchtbarkeit.

Jungsteinzeit

Die frühesten Viehzüchter haben offenbar ihre Tiere gerne mit rotem Ocker oder Eisenoxid bemalt, um deren Fruchtbarkeit zu steigern. Höhlenmalereien in roter Farbe stellen oft magische Handlungen dar oder sind selbst als solche gedacht gewesen. Kunst als schöpferischer Akt hatte schon immer etwas Magisches an sich.

Rot schützt vor bösen Geistern

Rot ist eine sehr starke und vor allem menschliche Farbe. Vom Altertum bis heute glauben manche Menschen, dass die Farbe Rot vor bösen Geistern und unliebsamen Einflüssen schützt. Tiere, Bäume, Werkzeuge, Türen und Kleidungsstücke wurden daher mir roter Farbe bestrichen und verziert. Jäger und Krieger verliehen ihren Waffen durch rote Farbe mehr Durchschlagskraft. Die Waffen in das Blut erlegter Tiere zu tauchen, oder sich gar selbst damit einzuschmieren war ein Brauch, der im Altertum sehr wahrscheinlich praktiziert wurde.
Manche Völker schlachteten zur Feier einer Geburt ein besonders starkes Tier und badeten das Neugeborene in dessen rotem Blut, damit der mächtige Geist des Tieres auf das Kind übergehen und es ebenso stark machen sollte.

Germanen & Angelsachsen

Rot war auch bei den alten Germanen die Farbe der Zauberei. Die Vitkar, altgermanische und nordische Runenmagier, trugen Gewänder mit roten Verzierungen. Das angelsächsische Wort für roten Ocker lautet teafor und ist offenbar mit dem altnordischen taufr verwandt, welches Zauber bedeutet. Der germanische Gott Donar bzw. Thor hatte rotes Haar und einen roten Bart. Blies Thor in seinen roten Bart, konnte er Blitze schleudern. Rote Tiere waren dem Donar geweiht, wie beispielsweise das Rotkehlchen, der Rotfuchs oder das heimische, rote Eichhörnchen. Auch die Augen und der Bart des Jagdgottes Wotan waren in feurigem Rot gehalten.

In der Sage von Siegfried dem Drachentöter wird berichtet, er habe seine (beinahe) Unverwundbarkeit durch ein Bad im heißen Blut des erlegten Drachen erlangt. Nur am Rücken, wo während des Bades ein Blatt klebte das er nicht entdecken konnte, blieb ein verwundbarer Fleck.

Ägypten

Im antiken Ägypten war die Farbe Rot dem Gott der Wüste und der Zerstörung zugeordnet, Seth. Der grüne Nilstreifen und sein Delta waren die Quelle von Ägyptens Leben und Reichtum, die rote Wüste verhieß allerdings nur den Tod. Deshalb ist Rot in der ägyptischen Kultur seit jeher ein Zeichen des Bösen. Schreiber hatten gar eine eigene, rote Tinte, für übel beleumdete Wörter und Zeichen. Magier baten in ihren Zaubersprüchen oft um Erlösung aus der Hand von bösen, roten Dingen.

Israel

Die Israeliten die in der Bibel auftauchen, bestrichen manchmal ihre Türstöcke mit Blut und roter Farbe, um böse Geister fernzuhalten, eine Praxis die wir auch in Ostasien und anderen Kulturkreisen wiederfinden.

Die Etymologie der Farbe Rot im Hebräischen zeigt den selben Wortstamm auf für Rot (adom), sowie für Blut (dam). Nach der biblischen Schöpfungsgeschichte wurde Adam aus roter Erde erschaffen. Auch in der sumerischen Überlieferung entstand der erste Mensch aus Tonerde und dem Blut der Götter. In der mittelalterlichen Alchemie war die Rötung eines Stoffes ein Zeichen, dass man sich dem Stein der Weisen annäherte.

Asien

Der Phönix ist der Feuervogel, der sich am Ende seiner Lebensspanne selbst verbrennt und verjüngt aus der Asche emporsteigt. Er symbolisiert zumeist die Gewalt, aber auch Wiedergeburt und Erneuerung, sowie die reinigende Wirkung der Flammen. Der in chinesischen Legenden beheimatete zinnoberrote Vogel ist ebenfalls mit dem Phönix verwandt und wird auch als Essenz oder Substanz der Flamme bezeichnet. Er bringt ein langes Leben und Glück.
In der Sinosphäre (China und kulturell chinesisch beeinflusste Gebiete Südostasiens wie Japan, Korea, Vietnam) ist Rot die Glücksfarbe. Primär deshalb, weil Monster (beispielsweise Totengeister oder das Neujahrsmonster Nian) panische Angst vor roten Dingen haben.

Russland

Im kalten Russland war die warme Farbe Rot als Farbe des Herdfeuers von jeher positiv besetzt. Seit der russischen Revolution wurde Rot zur Landesfarbe und findet sich im roten Platz oder der roten Armee wieder. Von dort hat Rot sich als politische Farbe des Sozialismus und Kommunismus etabliert.

Europäisches Mittelalter

Von der Römerzeit bis ins Mittelalter waren Rot und rotes Purpur die Farben der Macht, da satte, rote Farbstoffe teuer waren und dem einfachen Volk oft nicht erlaubt oder schlicht unerschwinglich.

Wo im Mittelalter Maria und diverse Engel noch rote Kleidung trugen oder sogar rote Haare hatten, wurde Rot ab etwa 1500 verteufelt (die Kardinäle trugen aber weiterhin rot). Jedenfalls war die Beziehung der Farbe Rot zur Sexualität den Kirchenvätern offenbar ein Dorn im Auge. Die roten Flammen wurden mit dem Teufel assoziiert und Menschen mit rotem Haar oft als Dirnen, Hexen und Schwarzmagier denunziert. Vorurteile, die sich lange gehalten haben. Der rote Klatschmohn wurde ebenfalls zur Teufelsblume erklärt.

Rotes Bettzeug wurde noch im Mittelalter verwendet, um vor Krankheiten zu schützen. Rot bemalte Amulette und Schmuck, der mit Rubin oder Granat verziert war, hatten vielfältige Schutzfunktionen vor Krankheiten oder dem bösen Blick.

Purpur und Kardinalsrot im Mittelalter

Mit dem Zerfall des römischen Reiches ist die Bedeutung und Verwendung von Purpur zurückgegangen. Ostrom verwendete den Farbstoff zwar noch weiter, aber für den Westen war die Purpurzeit vorbei.

Ob die Käppchen und Gewänder der Kardinäle nun tatsächlich mit echtem Purpur gefärbt waren ist heute unklar. Möglicherweise waren die Gewänder damals schon scharlachrot, also nicht mit Purpur gefärbt, sondern mit Cochenille, das aus Schildläusen gewonnen wird. Wir kennen Cochenille von Kosmetika wie Lippenstift und dem allseits (mehr oder weniger) beliebten Campari. Wie auch immer, Rot und Violett sind im Kreis der liturgischen Farben ein bedeutender Posten.

Dasselbe gilt auch für diverse Königsmäntel, die oft als purpurn bezeichnet werden. Eine interessante Geschichte gibt's noch zu Königsmänteln zu erzählen: Angeblich hat man gerne frisch gesalbte Könige in einen neuen Purpurmantel gehüllt. Sprich, solange der König noch grün hinter den Ohren war, war das auch sein Mantel. Wuchs er langsam in sein Amt und seine Verantwortung hinein, wurde der Mantel blau und schließlich tiefpurpur, wenn der König die ersten Amtsjahre überlebt hat. So einfach war das Überleben bei den damaligen Königen ja nicht, wie Hinz und Kunz sich das immer vorstellen.

Colourful World

Liste von FärberpflanzenListe von Färberpflanzen
Eine Liste von Färberpflanzen sortiert nach dem lateinischen und dem deutschen Namen.
Rot in der AlchemieRot in der Alchemie
Einem philosophischen Pfade folgend, versuchte der Alchemist durch Transmutationen den Stein der Weisen zu entdecken. Die Farbe Rot war in dem Zusammenhang sehr wichtig.
RotRot
Vitalität, Zorn und Aggressivität, Feuer, Hitze und Gefahr. Die Farbe Rot ist kräftig, temperamentvoll und aktiv. Sie steht für Entschlossenheit, Energie und Dynamik. Aber auch die Liebe ist rot, die Verführung, die Lust und die Leidenschaft.
Rot in den GeschlechterrollenRot in den Geschlechterrollen
Immer wieder zwängen sich die Menschen in Klischees. Die mächtige Farbe Rot steht seit jeher zwischen Mann und Frau und es gibt zahlreiche interessante Beispiele.
Rot in Geschichte und MythologieRot in Geschichte und Mythologie
Rot ist die älteste und prominenteste Farbe der Menschheit und für viele von uns hat sie den stärksten Charakter.
Rote GezeitenRote Gezeiten
Die Roten Tiden, die Roten Gezeiten, die Rote Flut - der Schrecken der Fischersleute, ein Seemonster schlimmer als der Kraken, Charybdis oder der Leviathan selbst.
GelbGelb
Die wärmende Sonne, die Helligkeit und die verspielte Lebhaftigkeit, sie alle sind gelb. Goldenes Gelb symbolisiert Reichtum und Wert. Heiterkeit, Optimismus und Freundlichkeit, diese Eigenschaften werden mit der Farbe Gelb in Verbindung gebracht.