Rot in den Geschlechterrollen

Immer wieder zwängen sich die Menschen in Klischees. Die mächtige Farbe Rot steht seit jeher zwischen Mann und Frau und es gibt zahlreiche interessante Beispiele.

Triumphant AchillesTriumphant Achilles | photo: Franz Matsch (cc-by-sa)

Über die Zuordnung von Farben zu den Geschlechtern.

Da die hellere Variante einer Farbe stets als die "kleine" Variante gilt, werfen wir erst einmal Rosa und Rot, sowie Blau und Hellblau in jeweils einen Topf.

In den meisten anderen Artikeln habe ich selbst die Klischees aufgegriffen, also Rosa beispielsweise ist ja die klassische Mädchenfarbe, während wir heutzutage männliche Kleinkinder meistens in himmelblaue Strampelanzüge stecken. Trotzdem - gerade wenns um die Farbe Rot geht, erscheinen die Geschlechterrollen hier im Verlauf der Geschichte ziemlich widersprüchlich. Denn mal erscheint Rot als die ultimative Männlichkeit, ein andermal ist es umgekehrt.
Hier ist es wichtig, die Zeitepoche und die genaue Verwendung zu berücksichtigen.

Rot war, wie bereits an anderer Stelle umfangreich erläutert, die (höchstwahrscheinlich) erste Farbe die wir in der Evolution des Auges effektiv unterscheiden konnten und gilt bis heute als Signalfarbe die sich von anderen Hintergründen abhebt. Ich denke Rot ist die mächtigste und prominenteste Farbe die wir haben. Natürlicherweise findet sie so in allen Lebenslagen Verwendung.

Somit wie kommt's?

Da Rot seit jeher eine Farbe der Macht ist, von Herrschern getragen, von Soldaten getragen, von Scharfrichtern getragen - würde man die Farbe eher dem männlichen Aspekt zuordnen.
Aber sind nicht rote Lippen mächtiger als ein Radpanzer? Die Hinweise auf erotische Ausstrahlung durch erröten (wär ja mal interessant ein wenig etymologisch zu kramen ob das Wort erotisch mit erröten zusammenhängt... wobei es ja eigentlich vom griechischen Gott Eros kommt, ihr wisst schon, der nackte Zwerg mit dem Flitzebogen...) werden ebenfalls der Frau zugeordnet.
Blau hingegen, das heute als typische Farbe für Jungen gesehen wird, war die klassische Marienfarbe, also weiblich. Die meisten westlichen Marienbilder stellen sie mit einem blauen... Dings (ist das ein Mantel?) dar (Rot im Slawischen Raum).

Warum also ist aber ein Baby in Rosa für uns heute automatisch ein Mädchen, während eins in Blau offensichtlich ein Bub sein muss?

Erst sehr spät, nämlich um die 1920er kamen folgende Dinge auf:

  • kochfeste, erschwingliche Kleidungsfarben
  • Waschmaschinen für alle
  • Strampelanzüge und sonstige Babyklamotten

Und auch genau zu der Zeit waren Matrosen (die blaue Uniformen trugen), Bluejeans und der blaue Overall ein typisch männliches Symbol der Arbeiterklasse. Deshalb lag es nahe, Buben in helles, also das "kleine" Blau zu stecken. Und da der Mensch immer dazu neigt, Dinge gegenüberzustellen, bekamen die Mädels halt Rosa.

Vor dieser Entwicklung wäre niemand auf die Idee gekommen, durch die Farbe des Fetzens in den ein Baby gewickelt war, dessen Geschlecht zu bestimmen. Denn die meisten Babyklamotten waren ja sowieso naturfarben, robust und kochfest.
Der Hochadel der es sich leisten konnte, kleidete teilweise auch die Kinder färbig, denn wie schaut denn das aus, wenn der Thronerbe in zerschlissenen, braunen Windeln herumkrabbelt.
Aber da ist es auch schon:
Der Prinz, der männliche Thronerbe wurde natürlich in die Farbe der Macht gekleidet, manchmal durfte es auch etwas heller sein, Rosa beispielsweise.

Der Gegensatz zum aggressiven, kriegerischen Aspekt der Farbe Rot ist das Sinnliche, Weibliche und die Fruchtbarkeit als Teil der Symbolik von Rot. Die Rote Rose entstand aus dem Blut des Adonis, als er auf der Jagd nach einem wilden Eber getötet wurde. Die alten Griechen betrachteten deshalb rote Rosen als Sinnbild von Wachstum und Vergehen, sowie Liebe und Zuneigung. Eine Symbolik, die sich bis heute erhalten hat. Im antiken Griechenland war demnach die rote Rose der Liebesgöttin Aphrodite geweiht, in Rom ihrem Pendant, der Venus.

Rot für die Weiblichkeit

Schon in der Steinzeit war roter Ocker ein Symbol der Muttergottheit.

Hochzeitsbräuche in vielen Kulturen sehen rote Bänder und Tücher für die Braut vor. Die Farbe Rot als Sinnbild von Liebe und Fruchtbarkeit. Im antiken Rom trugen die Bräute das Flammeum, ein rotes Tuch. Ebenso war/ist in China die Braut in einen roten Schleier gehüllt, der erst im Angesicht des Bräutigams gelüftet wurde. Rote Brautschleier sind noch heute in Europa bei den armenischen, albanischen und neugriechischen Völkern in Verwendung.

Aber nicht nur Fruchtbarkeit und Liebe soll symbolisiert werden, wenn die Braut rote Kleidung trägt. Auch hier finden wir die Schutzfunktion der Farbe Rot wieder, die übelwollende Geister davon abhalten soll, die Braut im letzten Augenblick zu ver– bzw. zu entführen.
Beziehungsweise in China, wo Rot generell als Farbe von Freude, Glück und Wohlstand angesehen wird.

Ein Stamm im Gebiet des Amazonas geht sogar noch einen Schritt weiter: Die Frauen ritzen sich mit scharfkantigen Muscheln die Beine bis zur Hüfte ein und reiben einen roten Farbstoff darüber. Diese Farbe hält wie eine Tätowierung lange Zeit und gilt als Schmuck sowie als magischer Schutz beziehungsweise eben Fruchtbarkeitssymbol.

Über roten Lippenstift, Rouge und dergleichen visueller Lockstoffe als sinnliche Verzierung brauche ich mich in unserem Kulturkreis ja nicht auslassen, die Lady in Red und ihre Bedeutung kennen wir alle.

Die Farbe des Kriegers

Es ist nicht weiter verwunderlich dass die unbestrittene Kraft der Farbe Rot als Symbol der Aggression, des Zornes und des vergossenen Blutes in die Kriegsführung Eingang gefunden hat. Von den griechischen Hopliten über die Legionen des Julius Cäsar bis zu den britischen Musketieren, passenderweise "Redcoats" genannt, die als militärische Basiseinheit eine der Säulen bildeten auf der das größte Imperium der Welt ruhte.

Man sagt die Kleidung der Hopliten sei ursprünglich in Rot gehalten worden um Wunden und Blut vor den Augen des Feindes zu verbergen und den Krieger somit zäher erscheinen zu lassen als er tatsächlich war. Ein interessanter Zug psychologischer Kriegsführung wie ich finde.
Da starkes Rot zu dem Zeitpunkt in unserer Geschichte allerdings nur mit Purpurschnecken zu erreichen war, war diese Ausstattung den Elitetruppen vorbehalten.

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