Drachen, Jungfern und Mathematiker

Früher war alles besser? Pah, von wegen! Drachen hatten nichts zu lachen, und böse Zauberer schon garnicht.

Der Lindwurm. Lindwyrm. Lindenblütenwyrm.Der Lindwurm. Lindwyrm. Lindenblütenwyrm. | photo: Frank Fox (cc-by-sa)

Wer meint, früher war alles besser, der hat sich geschnitten. Und zwar gewaltig. Habt ihr euch schon mal ausgerechnet, was so ein Drache kostet? Die fressen ja nicht oft, aber wenn, dann wollen sie sieben Jungfrauen. Keine mehr und keine weniger.

Und jetzt malt euch mal so ein hinterwäldlerisches Kaff aus, alles voller gewiefter Landcasanovas und der nächste Pfaffe 80 Kilometer weit weg. Findet da mal eine Jungfrau, geschweige denn sieben. Ja, die Zeiten waren nicht leicht, um Drachen zu halten. Also beim Landvolk war Futter schwer zu bekommen, also musste der Adel herhalten. Sieben Prinzessinnen, naja mit zwei drei Djinnen die einem zur Hand gehen, lässt sich das machen.

So, jetzt bindet unsereiner die Prinzessinnen vor der Drachenhöhle fest und stopft sich wegen dem Gejammere Wachs in die Ohren, ruft den Drachen und geht nur mal schnell ein paar Jalapenos holen (man will ja feurige Drachen haben). Und was passiert, während Herrchen im Garten Chilis pflückt?

Ja logo, ein Held tritt auf den Plan. Pfuiteufel!

Einer dieser arroganten, ewig ungewaschenen, ungehobelten Schwertfuchtler, befreit die Prinzessinnen und gibt meinem armen kleinen Drachen eins auf die Nase. Selber kriegt man von dem Wirbel ja nichts mit, hat ja Wachs in den Ohren.
Kehrt man dann zurück, bleibt alles was man noch hat, ein übel zugerichtetes (und hungriges) Reptil und ein Arm voll Gemüse. Weil die Schätze hat der blöde Held ja mitgenommen...

Der Drache hat logischwerweise immer noch Hunger, aber ihr könnt euch schon vorstellen wie es in einem Landstrich, wo mal ein Held (bäh) durchgereist ist, nachher so mit den Jungfrauen aussieht.
Mager. Sehr mager.

Was bleibt einem da anderes übrig, als Klein Smaugilein die Jalapenos ohne Prinzesschenfrikassee zu verfüttern, und dabei zu allen Höllenwichten zu beten, daß er sich keine Kolik holt. Weil mit den Dragoveterinären wars dazumals auch nicht weit her.

Heutzutage schaut die Sache ganz anders aus.

Weil heute haben wir Mathematiker, ein wahrer Segen des Tartaros.
Denn diese klugen, gelehrten und ehrwürdigen Weisen haben uns die Wahrscheinlichkeitsrechnung beschert. Und die besagt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Ritter, und sei er noch so heldenhaft, ja sogar wenn er ein waschechter Prinz wäre, einen Drachen zur Strecke bringt - und jetzt kommt der Teil, der mir am besten gefällt - gegen Null tendiert.

Habt ihrs gehört? Tendieren haben sie gesagt. Gegen Null.
Das ist sowas wie Nix, Nada, Zero, Nihil, Nüscht. HA!

Verkochen wir die Märchenprinzen
zu lauter leckren Osterpinzen.
Mit edlen Rittern ists vorbei,
es lebe saubre Rechnerei.

Der Nachteil an Mathematikern ist halt, ihre Formeln reimen sich nicht. Die würden irgendwie einfach sagen
R < D
oder so, schaut auch langweilig aus.

Aber das ist noch nicht alles, seit es Mathematiker gibt, gibts auch Statistiken und Logik und so tolle Sachen. Und seitdem gewinnen die Bösen immer, weil... Naja, weil wir eben böse sind.
Wir Schwarzmagier dürfen beim Kartenspielen schummeln. Oder beim Würfeln, weil böser als wir schon sind, können wir ja nicht mehr werden. Außerdem gehörts zu unserer Natur, das ist halt mal so.

Aber wehe, wehe, einer dieser selbsternannten Retter des Guten zupft sich einen royalen Flash aus dem Ärmel, dann gewinnt nämlich trotzdem das Böse, weil der dann nämlich nicht mehr gut ist sondern genauso fies wie wir. Gemeiner Mogler, jawohl.

Der einzige Nachteil ist halt nur, Klein Smaugchen ist etwas zu wohlgenährt, passt nicht mehr durch den Ausgang seiner Höhle.
Naja, man kann nicht alles haben. Muß ich mir eben etwas anderes einfallen lassen, wie ich die Lande mit Angst und Schrecken überziehe.

Frank Fox

Drachen, Jungfern und Mathematiker by
Früher war alles besser? Pah, von wegen! Drachen hatten nichts zu lachen, und böse Zauberer schon garnicht.

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