Schnitzel, Pferde und Psioniker

Das Leben als Zauberer ist schon unfair, ich meine man studiert Jahrzehnte lang diese aggressiven Wälzer, lernt die 333 Gesänge des Baal, befasst sich mit dem ganzen Pack aus der Unterwelt, nur um ein Fitzelchen wahre Magie zu erlernen und was passiert?

Das KnochenrossDas Knochenross | photo: Frank Fox (pd)

Nicht nur dass Crowley abschreibt und Lovecraft aus den mühevoll erworbenen Weisheiten Romane macht (nicht das Schreiben des Necronomicon hat meinen Kollegen, Professor Alhazred, in den Wahnsinn getrieben, sondern diese ständigen Plagiate) ...

Dann kommen auch noch diese Psioniker. Wo unsereiner einen neunzigminütigen Cantus anstimmt, komplett mit Vogelgekröse und der Schale eines Eis, das ein schwarzer Hahn Schlag Mitternacht gelegt hat, um ein verdammtes Wiener Schnitzel magisch zu braten, machen diese psionischen Spielverderber das Ganze in knappen vierzig Minuten. Die konzentrieren sich einfach und schon brutzelt das Ding vor sich hin.

Das Gemeinste daran ist aber nicht die Zeit, vielmehr die Tatsache, daß diese Psioniker einfach aufhören wenn das Schnitzel durch ist.
Wenn ich auch nur einmal die Worte für Flamme und Inferno verwechsle, ist das Abendessen gestrichen. Stattdessen habe ich Asche als Blumendünger... Wer jetzt besonders gescheit ist und meint, Flamme und Inferno zu verwechseln ist ja bescheuert, der möge sich mal hinstellen und eineinhalb Stunden lang koptische Verse intonieren und bei jeder Silbe beten, daß die Vokale passen und kein Meteoritenschauer runterkommt.

Das ist fast so kompliziert wie die Beschwörung eines Nachtmahrs nach einem Text in Linear B. Sitzt der dritte Mähnenstrich auch nur einen Deut außerhalb, bekommst statt dem begehrten Mahr einen Knochenhengst. Na viel Spaß, hoffentlich hält das Sitzfleisch das aus...

Wie auch immer, auch hier haben die Psioniker wieder die größeren Kartoffeln geerntet, die denken einfach nur dran und Plopp - schon flitzen sie auf ihren stillosen Kraftfeldern herum. Toll. Die sind schon am Prager Golemsmarkt und kaufen die schönen Schriftrollen auf, während unsereiner noch sein Hinterteil bandagiert damit die Wirbelsäule des Reittiers nicht gar so piekst.

Aber zumindest wenns um das Wiener Schnitzel geht, sind die Psioniker mittlerweile genauso aufgeschmissen wie wir echten, ehrbaren Zauberer. Warum?
Weil ich letztens etwas ganz furchtbares gesehen habe. Nämlich eine stinknormale Hausfrau. Ich weiß, die sehen harmlos aus, keine Magie, keine Psi-Kraft, keine kristallomantischen Fingernägel.
Nichts übersinnliches ist da dran, dabei haben sie es faustdick hinter den Ohren. Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen, die hat ein Schnitzel in eine Pfanne mit Öl gelegt und in 10 Minuten wars fertig. Knusprig, goldbraun, mit Petersilkartoffeln.

Und geschmeckt hats obendrein auch noch gut. Frechheit.

Ich sage euch, mit der Welt gehts steil bergab, mit Volldampf in die Hölle, wenn ganz normale Sterbliche schneller Schnitzel braten als ein respektabler Adept der dunklen Künste. Und sogar schneller als diese neunmalklugen Psioniker.

Frank Fox

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Das Leben als Zauberer ist schon unfair, ich meine man studiert Jahrzehnte lang diese aggressiven Wälzer, lernt die 333 Gesänge des Baal, befasst sich mit dem ganzen Pack aus der Unterwelt, nur um ein Fitzelchen wahre Magie zu erlernen und was passiert?

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