Revolverhelden im Wilden Westen

Jeder kennt sie, (fast) jeder liebt sie: Revolverhelden aus dem wilden Westen. Die Honchos aus High Noon, Lucky Luke, Billy the Kid oder Clint Eastwood (bzw. die Figuren, die er verkörperte).

Get Three Coffins ReadyGet Three Coffins Ready | photo: Sergio Leone (©)

Aber was ist eigentlich dran am Wilden Westen? Wo echte Männer noch nicht verbal kommunizieren (also mit dem Mund reden und so) mussten, um ihren Standpunkt darzulegen. Für soche Gelegenheiten gab es Vermittler. Revolver beispielsweise oder die Westmannsbraut, die good old Winchester.
100 Jahre Wildwestfilme haben uns eines beigebracht: Ein Mann lebte und starb mit dem Revolver in der Hand. Quasi könnte man sagen eine Kugel war fast schon sowas wie eine natürliche Todesursache.

Lucky LukeLucky Luke | photo: (©) Morris

Was uns jetzt interessiert ist die Statistik. Immerhin sind wir neugierig und wollen wir wissen, wie viele Liter Blut pro Quadratmeter... Oder anders ausgedrückt, wieviele Tote durch unmittelbare Bleivergiftung konnte die blutigste, waffenstarrendste, heißblütigste Westernstadt aufweisen? Fünfzig? Hundert?

Wie wärs mit fünf?
In der Tat waren fünf Morde in einem Jahr die höchste bestätigte Zahl von Abmurksungen, die in einer Westernstadt durch Schießereien verübt wurden. Der Durchschnitt liegt bei 1,5 Morden pro Jahr (src: Stanford), wobei nicht alle auf das Konto von Revolverhelden gehen.

Die Wahrscheinlichkeit, in Wien 2010 mit der Axt erschlagen zu werden, ist höher als 1881 in Tombstone, US, ein Kugel abbekommen zu haben. 1881 war ja in Tombstone das gewaltsamste Jahr, das jemals verzeichnet wurde, da gabs doch diese berühmte Schießerei beim OK Corral. Resultat: 3 Tote.

Außerdem, die Handfeuerwaffen im Wilden Westen hatten ein dermaßen schlechtes Ziel, daß der Schütze schon froh sein musste, seinen Gegner beim zweiten oder dritten Versuch überhaupt zu treffen. Das schnelle Ziehen war demnach ziemlich irrelevant, wenn man beim Duell Kugeln sparen wollte, musste man sich schon High Noon im Wandschrank verabreden.

Wenn wir allerdings den Berichten über Billy the Kid Glauben schenken wollen, hat er wohl so zirka alle zehn Minuten einen umgelegt. Harter Knochen. Quellen zufolge, die nicht Billy the Kind selbst waren, war sein Killcount auf Lebenszeit... vier.

Billy The KidBilly The Kid | photo: (pd) Ben Wittick

Wieso verbreiteten die Revolverhelden also diese wilden Geschichten? Ganz einfach, heutzutage gibts ultracoole Typen, die jedem die Anzahl der Frauen, mit denen sie geschlafen haben (wollen) auf die Nase binden, damals wars halt die Anzahl der Duelle mit Todesfolge des Kontrahenten. Leute wollen ja cool sein, und das war eben so eine Möglichkeit zu prahlen.

Und warum glauben wir es heute noch? Ganz einfach.

...

...

Ja, richtig, ganz einfach. Es ist einfach einfacher, sich der Illusion hinzugeben, breitbeinig dazustehen und dem Antagonisten eine kleine, stromlinienförmige Bleiskulptur zwischen den Augen als Gesandten an das Großhirn durchzujagen, als ein Formular auf der Wachstube auszufüllen. Und nach der Zeit des wilden Westens waren es die Städtchen selber, die mit ihrer romantisch-bluttriefenden Vergangenheit Siedler und Steuerzahler anlocken wollten.

Keine Formulare, keine Bürokratie, keine Titel...
Nur zwei Männer, zwei Revolver und eine Taschenuhr die Musik spielen kann.

For a Few Dollars More Ending DuelFor a Few Dollars More Ending Duel | photo: (©) Sergio Leone

Frank Fox

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